Regency Roses – Im Herzen ein Lord

Darf eine Debütantin aus bestem Hause sich in einen
Bow-Street-Runner aus der schmutzigsten Ecke Londons verlieben?

England, 1814
Einen reichen Herrn von Stand heiraten! Das ist für Lavinia Allen der einzige Weg, einem Leben bei lieblosen Verwandten oder einem tristen Dasein als Gesellschafterin launischer Damen zu entgehen. Kaum zum Debüt in London angekommen, buhlen etliche Lords um ihre Gunst. Doch bald muss Lavinia erkennen, dass ihr Herz ausgerechnet für Jack Parker schlägt – einen Mann, der genau das Gegenteil von dem ist, was sie sucht!
Um einem dreisten Dieb eine Falle zu stellen, wird Bow-Street-Offizier Jack Parker im Stadthaus einer Adelsfamilie eingesetzt. Über Nacht findet er sich in der für ihn fremden Welt des bon tons wieder. Hier hat Jack nicht nur mit Standesdünkeln zu kämpfen, sondern vor allem mit seinen Gefühlen für Lavinia Allen, die als Gast im Haus lebt. Obwohl sie einen Ehemann sucht, verheimlicht er ihr seine Liebe. Denn in der feinen Gesellschaft ist eine Verbindung zwischen einer Lady und einem einfachen Kerl wie ihm ausgeschlossen.

Aber was, wenn es das Schicksal anders will?

364 Seiten

E-Book: € 3,99
Erhältlich bei Amazon »

Taschenbuch: € 12,99
Erhältlich u.a. bei
Amazon »
Thalia »
Hugendubel »

Leseprobe – Im Herzen ein Lord

Dinner bei den Colbournes

März  1814

Neugierig – aber nicht zu auffällig! – musterte Lavinia den neuen Gast im dunkelblauen Anzug. Er war hochgewachsen, trug sein braunes Haar entgegen der Mode sehr kurz geschnitten und mochte kaum älter als Anfang zwanzig sein. Der Gentleman gefiel ihr. Da traf es sich gut, dass ihr Gastgeber mit dem Neuankömmling auf sie zusteuerte. Auch Lady Ravencroft, der Baron und Mr. Seymour musterten den Mann interessiert.
»Darf ich Ihnen Mr. Jack Parker vorstellen?« Mr. Colbourne deutete auf seinen Begleiter. »Er ist ein Offizier der Bow Street. Wir kennen uns durch die gemeinsame Untersuchung eines Falles im vergangenen Jahr.«
Lavinia knickste. Jetzt, da der Herr direkt vor ihr stand, bemerkte sie seine muskulöse Figur. Aber auch den angespannten Ausdruck in seinen bernsteinfarbenen Augen.
Lady Ravencroft kräuselte die Stirn. »Sie sind ein Bow-Street-Runner?« Ihr Sohn und Mr. Seymour blickten ebenfalls skeptisch drein.
Mr. Parker neigte den Kopf. »So ist es, Ma’am.«
»Ich bin von Mr. Parkers Arbeit sehr angetan«, beruhigte Mr. Colbourne die alte Dame und wies auf eine hübsche schwarzhaarige Frau ein Stück entfernt von ihnen. »Und die Countess of Sheringham ebenfalls, da er mitgeholfen hat, ihren Gatten vor einer falschen Verurteilung zu bewahren.«
Damit führte er Mr. Parker zu den anderen Gästen.
Lady Ravencroft berührte Lavinia am Arm. »Miss Allen, Sie werden heute Abend gesellschaftliche Erfahrungen sammeln und erste Freundschaften zu Damen des Tons knüpfen können«, sagte sie mit gedämpfter Stimme. »Mehr jedoch nicht.«
Bedauernd und ein wenig verständnislos sah Lavinia sich nochmals zu dem schmucken Mr. Parker um. Ob Lady Ravencroft ihn so vehement ablehnte, weil er einem Beruf nachging? Aber das tat Mr. Colbourne auch und er war hochangesehen.
Mr. Seymour nahm die Angelegenheit mit Humor. »Wenn sich kein Heiratskandidat unter den Herren befindet, kann Lavinia wenigstens das Essen entspannt genießen.« Er zwinkerte ihr zu. »Oder sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, dass ich euch zur Annahme dieser Einladung gedrängt habe?«
Ehe ihm jemand antworten konnte, verkündete der Butler, es sei angerichtet.
Mr. Seymour bot Lady Ravencroft den Arm und Baron Ravencroft geleitete die Countess of Sheringham ins Esszimmer. Auch die anderen Damen und Herren fanden sich in einer für Lavinia nicht erkennbaren Ordnung zu Paaren zusammen und schritten zu Tisch. Sie blieb als einzige Dame übrig. Außer ihr war nur noch Mr. Parker im Salon. War er damit nicht ihr Tischherr? Warum machte er dann keine Anstalten, sie dorthin zu führen? Lavinias Blick ging zum Esszimmer. Die Ersten nahmen bereits an der Tafel Platz. Doch statt ihr Geleit zu geben, schaute der Bow-Street-Offizier sich ebenfalls verloren um, als nähme er sie nicht wahr.
Lavinia räusperte sich vernehmlich.
Plötzlich kam Leben in ihn und er war in zwei Schritten bei ihr und bot ihr seinen Arm. »Verzeihen Sie meine Unaufmerksamkeit, Miss Allen. Mir sind die gesellschaftlichen Regeln eines Dinners nicht ganz vertraut.«
Er blickte sie dabei so aufrichtig an, dass sie ihm nicht böse sein konnte. »Machen Sie sich keine Vorwürfe! Es ist ja nichts weiter passiert.«
Mit zögerlichen Schritten führte er sie in das in warmen Brauntönen geschmackvoll eingerichtete Esszimmer. Dort rückte er Lavinia einen der letzten beiden freien Stühle zurecht und ließ sich neben ihr nieder. Die Diener schenkten Wein ein und servierten eine Karottencremesuppe. Rund um den Tisch begannen gedämpfte Unterhaltungen.
Ihr Tischherr räusperte sich. »Also … nun … hat Ihnen das Wetter heute gefallen?«, fragte er.
»Allerdings, es war ein angenehmer Tag.«
Mr. Parker nickte. »Ich hoffe, morgen wird es ebenso schön.«
»Das wäre erfreulich.«
Er sah in die Ferne. »Sicher wird es bald noch wärmer werden. Und auch länger hell.«
»Davon bin ich überzeugt.« Lavinia lächelte. Bestimmt hatte ihm jemand eingeschärft, es sei am unverfänglichsten, mit einer Dame übers Wetter zu sprechen. Dabei hätte er gewiss Interessanteres zu erzählen. Schließlich sorgte er unter Einsatz seines Lebens für die Sicherheit der Londoner Bürger. Das jedenfalls hatte ihr Vater über die Aufgaben der Bow-Street-Runner berichtet. Verbrecher zu jagen stellte sie sich spannend vor. Wie gerne hätte sie Mr. Parker danach gefragt! Doch Lady Ravencroft warf von schräg gegenüber prüfende Blicke auf sie. »Ich muss mich noch an das Londoner Wetter gewöhnen«, entgegnete Lavinia, entschlossen, ihrer Unterhaltung eine neue Richtung zu geben. »Ich bin erst vor ein paar Tagen aus Lancashire angereist.«
Mr. Parker griff ihren Themenwechsel auf. »Sind Sie zum ersten Mal in London?«
»So ist es.« An Abigails Worte denkend, fügte sie hinzu: »Sie haben also ein Landei als Tischdame.« Er würde es sowieso bald merken.
Er schüttelte entschieden den Kopf. »Auf mich machen Sie den Eindruck einer perfekten Lady.«
»Ihre Einschätzung erleichtert mich. Denn ehrlicherweise war ich nie zuvor auf einer Dinnerparty.«
Zum ersten Mal lächelte Mr. Parker. »Mir geht es genauso.«
Sogleich wurde ihr der Bow-Street-Offizier noch sympathischer. »Ich bin schrecklich nervös, heute Abend einen Fehler zu machen«, gestand sie ihm mit gesenkter Stimme.
»Und ich habe deswegen sogar in einem Buch nachgelesen, in welcher Reihenfolge man das Besteck benutzt«, raunte er.
Lavinia betrachtete die silbernen Gabeln, Messer und Löffel rund um ihren Teller. »Das finde ich einfach. Schauen Sie zu mir, wenn Sie unsicher sind, und tun Sie es mir nach. Meine Schwäche sind die vielen fremden Namen, Titel und Verwandtschaftsbeziehungen.« Sie wies mit dem Kopf zu der Frau gegenüber, die ein dunkelviolettes Kleid und eine strenge Miene trug. »Die Dame dort wäre bestimmt aufs Höchste beleidigt, wenn ich sie später im Salon falsch anrede.«
Mr. Parker grinste. »Sie sieht wirklich aus, als ob mit ihr nicht gut Kirschen essen ist.«
Lavinia lachte, was ihr umgehend einen tadelnden Blick von Lady Ravencroft einbrachte. Schnell senkte sie den Kopf. »Die Dowager Baroness achtet darauf, dass ich mich in Gesellschaft gut benehme«, murmelte sie.
»Verstehe.« Dann flüsterte er ihr zu: »Die Kirschendame heißt Phyllis Slade, ist seit längerem verwitwet und eine Freundin unserer Gastgeberin, Juliana Colbourne. Mrs. Slade ist auch mit Mrs. Colbournes Schwester Isabella, Countess Dyke, befreundet. Lady Dyke ist die Tischdame von Mr. Seymour. Ihr Ehemann Horace Howell sitzt gegenüber von ihr. Die Dykes besitzen ein Stadthaus in der Bolton Street.«
»Das haben Sie sich alles gemerkt? Oder sind Sie mit Mrs. Slade und den Dykes bereits bekannt?«
Er schmunzelte. »Keineswegs, die Damen und Herren sind mir vorhin erst durch Mr. Colbourne vorgestellt worden. Ich präge mir Namen, Gesichter und Details schnell ein. Das bringt wohl mein Beruf mit sich.«
»Beneidenswert! Schade, dass ich Sie nicht immer als Souffleur an meiner Seite habe.«
Irrte sie sich oder schaute Mr. Parker wehmütig? Ganz so, als genieße er ihre Gegenwart ebenfalls.
»Haben Sie sich schon etwas in London angeschaut?«, erkundigte er sich, nachdem die Diener die Suppenteller abgeräumt und das Speisezimmer wieder verlassen hatten.
»Außer Modesalons und dem Hyde Park habe ich bisher nicht viel gesehen. Aber gestern war ich im St. James’s Palace zur Audienz bei der Königin.«
»Das war bestimmt ein besonderer Moment.«
Sie nickte. »Nun gelte ich als offiziell in die Gesellschaft eingeführt. Sonst dürfte ich gar nicht hier sein.«
»Was wirklich schade wäre.«
Lavinia lachte hinter vorgehaltener Hand. »Da haben Sie recht. Mir gefällt es bis jetzt ausnehmend gut.« Was vor allem an Mr. Parkers offener und freundlicher Art lag. Sie wartete ab, bis die Diener den Hauptgang aus Schweinebraten, Kartoffeln und Bohnen serviert hatten, und kam dann auf seine Frage zurück. »Welche Sehenswürdigkeiten in London können Sie mir empfehlen?«
»Also, wenn Sie sich für Geschichte interessieren, das Britische Museum. Besonders die Ägyptische Ausstellung. Falls Sie wilde Tiere wie Affen und Bären bevorzugen, die Menagerie im Tower.«
»Das klingt wundervoll! Hätten Sie Lust, mir beides zu zeigen?«
»Tja, ich glaube nicht, dass Lady Ravencroft mit meiner Begleitung einverstanden wäre.«
Oh je! In ihrer Begeisterung hatte sie deren Stirnrunzeln vergessen! »Entschuldigen Sie, ich hätte diese Frage nicht stellen sollen.«
»Nehmen Sie es sich nicht zu Herzen. Es freut mich, dass Lady Ravencrofts Maßstäbe nicht die Ihren sind. Wenn Sie möchten, erzähle ich Ihnen gerne noch etwas zu den anderen Gästen, damit Sie später im Salon vorbereitet sind.«
Lavinia nahm das Angebot dankbar an. Mr. Parker gefiel ihr immer besser. Welche Vorbehalte mochte Lady Ravencroft gegen ihn hegen? War der Beruf des Bow-Street-Offiziers nicht so hoch angesehen, wie sie aufgrund der Erzählungen ihres Vaters angenommen hatte? Dabei sorgte er doch für die Durchsetzung von Recht und Ordnung.

Schauplätze des Romans - Teil 4

Lust auf eine Zeitreise ins England des Regencys? Im Oktober 2019 führte mich eine Recherchereise nach London. Von meinem Spaziergang durch das berühmte Stadtviertel Mayfair und an weitere geschichtsträchtige Orte in Englands Hauptstadt habe ich einige der schönsten und interessantesten Plätze ausgesucht und mit Zitaten aus meinen Romanen und spannenden Infos versehen. Ausgerüstet mit einem Stadtplan und dem empfehlenswerten Buch „Walks through Regency London“ von Louise Allen startete ich meine Erkundungstour auf den Spuren meiner Heldinnen und Helden aus den „Regency Roses“-Romanen.

 

In Kürze findet sich hier die Romanreise zum vierten Band der Regency Roses! 

Band 1

Band 2

Band 3

Band 4