Ein teuflisch netter Engel
Todesengel küsst man nicht.
Oder doch?
Der Roman erscheint am 1. Februar 2026.
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Leseprobe – Ein teuflisch netter Engel
Tamael trat zwischen den Bänken hervor und spähte aus der offenstehenden Tür der Kapelle nach draußen. Eine jüngere Frau mit einem rotblonden Haarknoten lief vor einem grünen Transporter hin und her und diskutierte am Telefon lautstark mit jemandem.
Desinteressiert wandte Tamael sich ab. Die Anwesenheit der Sterblichen konnte ihm egal sein, da er für Menschenaugen nicht sichtbar … oh. Moment. Da war ja noch was.
Die Stimme der Frau verstummte und Schritte näherten sich der Kapelle. Tamael brach der kalte Schweiß aus. Unauffällig wich er zur Sakristei zurück.
Die Sterbliche vom Transporter betrat das Gotteshaus, eine Kiste mit Efeuranken in den Händen. Tamael wollte in der Sakristei verschwinden, doch die Tür war abgeschlossen. Auch das noch! Gleich würde die Frau ihn entdecken, wenn er nicht ein besseres Versteck fand. Da drüben, im Schatten neben der Säule? Er machte einen Schritt und blieb mit dem Gewand an etwas hängen. Eine blecherne Gießkanne fiel laut scheppernd um.
»Hallo, bringen Sie mir den Sakristeischlüssel?«
Tamael presste die Zähne aufeinander. In einigem Abstand vor ihm stand die Sterbliche und sah ihn aus grünbraunen Augen erwartungsvoll – und gleichzeitig ein wenig ungläubig – an. »Ich … nein«, stotterte er. Nie zuvor war ein lebendiger Mensch seiner ansichtig geworden, geschweige denn, dass einer mit ihm gesprochen hätte.
Die junge Frau runzelte die Stirn, die ebenso wie ihre Wangen mit Sommersprossen übersät war. »Sie wirken blass.« Sie stellte die Kiste mit dem Efeu vor der Säule ab und musterte ihn prüfend. »Geht es Ihnen gut?«
Sicher nicht, die besorgniserregenden Ereignisse reihten sich gerade bedrohlich aneinander. »Ja«, erwiderte er dennoch, um sie loszuwerden.
Leider schien seine Antwort sie nicht zu überzeugen. »Haben Sie sich verlaufen? Wollten Sie zu dem Mittelaltermarkt?« Wie zur Erklärung wies sie auf sein Gewand. »Der beginnt allerdings erst übermorgen, glaube ich.«
Mittelaltermarkt, das war die rettende Idee! »Ja genau, dort wollte ich hin, dann weiß ich Bescheid.« Und jetzt nichts wie raus hier!
»Wie gesagt, mit dem Marktbeginn bin ich mir nicht sicher. Aber ich kann die Zeiten rasch nachschauen«, bot die Sterbliche an. Zielsicher fischte sie ihr Handy aus der Box mit dem Efeu und begann, darauf herumzutippen.
»Nicht nötig«, erwiderte Tamael hastig. »Ich brauche keine Hilfe. Auf Wiedersehen.« Er wollte sich endlich zum Ausgang wenden, da sah er es. Der Strahler, der oberhalb der Frau an der Säule befestigt war, hatte sich aus seiner Verankerung gelöst und drohte auf die Sterbliche zu stürzen.
Seine Reflexe waren schneller als sein Verstand.
Tamael sprang auf die Frau zu und riss sie beiseite. Gemeinsam stürzten sie zu Boden, wo seine Flügel sich wie von selbst vom Nihil-Zauber befreiten und schützend über ihnen aufspannten.
Krachend schlug der Strahler neben ihnen auf den Steinen auf.

Auf den Spuren von Tamael & Jana
Komm mit auf eine Romanreise zu Ein teuflisch netter Engel! Denn viele Orte, die Tamael und Jana im Buch aufsuchen, gibt es wirklich. Machen wir also einen Spaziergang durch das zauberhafte Südhessen auf den Spuren einer magischen Geschichte zwischen Himmel und Hölle.
Ich liebe es, in meinen Romanen Reales und Phantastisches miteinander zu verweben. So ist Janas Blumenladen “Blumenglück” eine Erfindung, aber die Stadt, in der er liegt, nicht: Dieburg existiert wirklich. Es liegt im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Südhessen und ist mit seinem historischen Ortskern immer einen Besuch wert.

In einer Mischung aus beiden Häusern stelle ich mir Janas Wohn- und Geschäftshaus. Ein Fachwerkhaus in der Fußgängerzone, der Blumenladen unten und obendrüber ihre Wohnung, die sie fortan nicht nur mit ihrer Mutter teilt, sondern auch mit einem Todesengel. Beide Gebäude stehen in der Zuckergasse, das linke Haus wurde um 1470 erbaut, ein durch Knaggen gestütztes, vorkragendes Obergeschoss über einem massiven Erdgeschoss.

Die Zuckerstraße hingegen, in der sich Janas Laden befindet, gibt es in Dieburg ebenfalls, sie ist ein Teil der Fußgängerzone. Mir gefiel dieser Straßenname so gut, dass ich ihn unbedingt in den Roman aufnehmen wollte. Er geht auf die Zuckerbäcker und Konditoren zurück, die dort ihr Handwerk ausgeübt haben.

Genervt schlug Tamael den Weg zum nächsten Höllenportal ein. Entgegenkommenden Menschen und Tieren wich er präzise aus, leblose Hindernisse durchschritt er wie feinen Regen und Hecken und Gewässer überflog er mit ein paar Schlägen seiner mächtigen Schwingen. Bestimmt war es wieder nur eine Lappalie, die Luzifer mit ihm besprechen wollte! Glücklicherweise lag das Portal nicht weit entfernt. Für die Sterblichen war es als Durchgang in einer alten Sandsteinmauer des Parks getarnt, Tamael jedoch brachte der Durchlass im Bruchteil eines Atemzugs in die Hölle.
Die alte Sandsteinmauer ist ein Rest der Stadtmauer, die Dieburg um das Jahr 1220 umgab. Die Mauer war sieben bis acht Meter hoch, war mit mehreren Wehr- und Tortürmen flankiert und zusätzlich durch einen doppelten Wehrgraben gesichert. Das Foto habe ich im Fechenbach-Park aufgenommen, durch den Tamael gerade eilt. Probeweise bin ich durch das Portal geschritten – und glücklicherweise nur auf der anderen Seite herausgekommen und nicht in der Hölle.
Tamael und Jana sind aber nicht nur in Dieburg unterwegs. Bestimmte Gründe führen sie auch nach Groß-Umstadt. Groß-Umstadt ist hübsch gelegen an den Ausläufern des Odenwaldes in Südhessen. Das Städtchen gehört zum Landkreis Darmstadt-Dieburg. Bekannt ist es auch als „Odenwälder Weininsel“.

Wenig später hatte Jana den Transporter geparkt und sie liefen durch die pittoreske Altstadtgässchen Groß-Umstadts in Richtung Marktplatz.
»Bist du sicher, dass die Hüterin zu Hause ist und dich empfängt?«, wollte sie wissen.
»Sollte sie unterwegs sein, ruft meine Gegenwart sie herbei«, erwiderte er im Brustton der Überzeugung. »Und da sie wie alle ihres Volkes furchtbar neugierig ist, wird sie mich schon anhören.«
»Na dann.« Jana warf einen Blick auf ihr Handy. »Dort vorne müssen wir links abbiegen.«
»Ich weiß, ich war hier lange vor deiner Zeit.« Tamael schaute zu dem alten Rathaus aus der Renaissance hinüber, dem Schmuckstück des Marktplatzes, erklärte aber nichts weiter.
Direkt am historischen Marktplatz steht das Groß-Umstädter Renaissance Rathaus. Es wurde zwischen 1596 und 1605 gebaut. Noch heute wird es als Sitz der Stadtverwaltung genutzt. Über dem prächtigen Eingangsportal prangt das Stadtwappen. Die Figuren auf dem Dach sind Justitia und Prudentia, die Verkörperungen der Gerechtigkeit und der Klugheit.
Ihr Weg führt Jana und Tamael aber auch über die Grenzen des Landkreises hinweg nach Urberach. Oder genauer: Auf die Bulau. Die Bulau ist – genau wie Urberach – ein Stadtteil von Rödermark und dort findet sich am Waldrand eine Keltische Grabanlage samt Skulpturengruppe. Geschaffen wurde der keltische Trauerzug von dem Künstler Kai Georg Wujanz. In der mittleren Hallstattzeit (700-450 v. Chr.) befanden sich hier über zwei Dutzend Hügelgräber, wie sich durch gefundene Bronzearmringe belegen lässt. Zwei dieser Grabhügel wurden in ihren Konturen rekonstruiert.

Sie zog ihr Handy aus der Tasche, scrollte durch ihre Bildergalerie und hielt Jana und Tamael gleich darauf ein Foto entgegen. An einem Waldrand erhoben sich zwei hohe, teils mit Gras bewachsene Hügelgräber. Davor waren schwarze Skulpturen zu sehen, die einen Begräbniszug mit Ochsenkarren und Fußgängern darstellten. Seitlich der Gruppe war ein Stück einer nachgebauten Römerstraße erkennbar sowie Informationstafeln. Ein paar Kinder kletterten im Hintergrund auf dem Hügel herum.
»Das ist in Urberach«, sagte Jana überrascht.
Welche Rolle dieses Hügelgrab im Roman spielt, verrate ich hier jedoch nicht.
Himmel, Herz & Hölle – Reihe
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