RABENFEUER

 

 

 

 

Rabenfeuer
Die Flammen der Göttin

Romantic Fantasy

Als E-Book und Taschenbuch erhältlich

 

 

 

Kann man zu einem mächtigen Krieger werden, obwohl man von der Göttin gezeichnet wurde? Kann man sein Herz an einen Fremden verlieren, obwohl man dem Tempel seine Treue schwor?
Raven wurde als Prinz geboren, doch statt auf edlen Pferden durch Wälder zu jagen und in Schlachten zu kämpfen, arbeitet er als Knecht in einer Silbermine. Von seiner wahren Abstammung ahnt er nichts und sein einziger Freund ist ein Rabe.
Kara hat sich für ein Leben im Tempel entschieden, weit weg von allem, was sie einst binden sollte. Nie hätte sie gedacht, dass sie sich dort verlieben würde – und noch viel weniger, dass jener Fremde mit dem Raben in Wahrheit ein Prinz ist und eine mächtige Prophezeiung ihre beiden Schicksale miteinander verwoben hat …

Der Roman ist als E-Book und Taschenbuch bei Amazon erhältlich.

Leseprobe

Die Strahlen der Abendsonne tauchten das Zimmer der Burg in goldenes Licht. Die junge Frau, die erschöpft auf dem Bett lag, nahm die Schönheit des flammend roten Himmels jedoch nicht wahr. Stumm blickte sie auf ihr neugeborenes Kind, das die Hebamme in den Armen hielt.
Der kleine Junge weinte, fast als spüre er, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Seine hilflosen Schreie hallten von den steinernen Wänden wider und Manas Magen verkrampfte sich. Rasch wandte sie den Kopf ab und kämpfte gegen die aufsteigende Angst an. Warum musste ausgerechnet ihr Kind ein solches Gebrechen treffen?
Vorsichtig sah sie zu ihrem Ehemann, der neben ihrem Lager stand. Der Fürst von Sarwen hatte sich für diesen lang erwarteten Freudentag in sein bestes Gewand gehüllt. Nun lag in seinen Augen das blanke Entsetzen. Die Furcht in Mana wuchs.
»Wegon«, flüsterte sie und streckte haltsuchend ihren Arm nach ihm aus.
»Ein Krüppel?«, erwiderte er und griff nach ihrer Hand. »Mein erstgeborener Sohn ist ein Krüppel?« Fassungslos starrte er den Säugling an. Das Neugeborene war rosig, es schrie und zappelte, doch sein linkes Ärmchen und Beinchen bewegten sich nicht richtig.
Immer noch ungläubig richtete Wegon seinen Blick auf sie. »Dieser Junge ist gelähmt. Er wird niemals in einen Krieg ziehen können. Sarwen braucht einen gesunden Thronfolger, Mana …« Seine Stimme brach ab.
»Der Kleine ist nur geschwächt, Wegon. Er wird sich bald erholen, gib ihm ein paar Wochen Zeit.«
»Damit sich herausstellt, dass er niemals laufen, geschweige denn kämpfen kann?« Er ließ ihre Hand los und begann auf und ab zu gehen. »Du kennst die Prophezeiung, Frau. Du weißt doch, dass …« In plötzlicher Entschlossenheit blieb er stehen und zog das Schwert aus seinem Waffengürtel. »Wir sollten das Leben dieses unglücklichen Wesens beenden und uns und ihm sein unnützes Dasein ersparen.«
»Nein!« Manas Aufschrei erfüllte den Raum und der Säugling begann ängstlich zu wimmern. Rasch legte die Amme ihr den Jungen in die Arme und Mana drückte ihn an sich. »Es ist mein erstes Kind«, fuhr sie leise fort, um das Neugeborene nicht wieder zu erschrecken. »Im Namen der Göttin, lass es mir!« Flehend sah sie Wegon an. Er war doch der Mann, der sie durchs Leben begleitete, der Mann, den sie über alles liebte! Wie konnte er so etwas Schreckliches von ihr verlangen?
»Im Namen der Göttin?« Furchen bildeten sich auf seiner Stirn. »Nach dem Willen der Göttin soll mein Erbe die Feinde Sarwens vernichten«, erinnerte er sie. »So wurde es vorausgesagt. Dieses Ding wird niemals dazu in der Lage sein. Es ist wertlos. Gib es mir und wir bringen es schnell hinter uns.«
»Bitte, nimm mir den Jungen nicht weg.« Mana presste das Kind an ihre Brust. »Wenn du jemals etwas für mich empfunden hast, dann lass mir meinen Sohn.«
Seufzend senkte Wegon das Schwert. »Ich liebe dich und ich verstehe deine Gefühle«, erwiderte er. »Aber dieses Kind ist schwach, es wird früher oder später sowieso sterben. Wir wissen nicht einmal, ob es einen klaren Verstand besitzt. Es jetzt zu töten bedeutet, ihm eine Gnade zu erweisen.« Er lächelte. »Wir werden sagen, der Säugling sei kurz nach der Geburt gestorben. Es wird kein Jahr vergehen, da wirst du mir einen neuen Thronfolger schenken: kräftig und gesund. Er wird ein großer Krieger werden – mir, dir und der Göttin zu Ehren.«
Mana schüttelte den Kopf. »Nein, ich will dieses Kind behalten. Es wird wachsen und gedeihen, das spüre ich. Ich werde nicht zulassen, dass du es umbringst.«
Wegons Brauen zogen sich zusammen. »Ich bin dein Mann und Herr. Ich habe das Recht, über Leben und Tod dieser Kreatur zu entscheiden.«
»Dieser Junge ist der Prinz der Sarwen, dein Sohn!«
»Männer aus meiner Familie zeugen keine Missgeburten.« Sein Wangenmuskel zuckte.»Bis heute wurden in meiner Blutlinie nur Kinder ohne Makel an Körper und Geist geboren.« Abrupt hielt er inne und sah sie scharf an. »Hast du mich betrogen? Ist dieses Kind die Strafe der Göttin für deine Verfehlungen?«
Mana erblasste. »Ich war dir stets treu. Das weißt du genau.«
»Dann beweise mir deine Treue und gib mir endlich dieses Balg, damit ich es töten kann. Einen solchen Sohn kann ich nicht großziehen, selbst wenn ich der Vater sein sollte.«
Mana senkte den Kopf und sah auf das winzige Wesen in ihren Armen hinab. Bei seinem Anblick durchfluteten sie Wärme und eine bedingungslose Liebe, die sie so noch nie zuvor gespürt hatte. Der Wunsch, den Jungen am Leben zu halten und gegen alle Gefahren zu beschützen, war übermächtig. So sehr sie Wegon liebte, dieses Kind brauchte sie mehr als er.
Mana blickte zu ihrem Ehemann auf und es war, als bräche ihr das Herz entzwei. »Dieses Kind ist das deine, so wahr mir die Göttin helfe«, sagte sie. »Wenn du mich aber zwingst, zwischen Schuld und Lüge zu wählen, entscheide ich mich für die Lüge. Die kann ich besser ertragen als das Wissen, für den Tod meines Kindes verantwortlich zu sein.«
Wegons Mund wurde schmal. »Du entscheidest dich für diese Kreatur und gegen mich?«
Tränen brannten in ihren Augen. »Ich entscheide mich für das Leben«, hauchte sie.
»Mana, das ist Wahnsinn!« Zärtlich strich er über ihr Haar. »Du weißt, was du aufgeben müsstest. Ein solches Opfer ist dieses Kind nicht wert.« Beschwörend fügte er hinzu: »Was ist mit uns? Bin ich dir gleichgültig?«
»Nein«, antwortete sie, kaum fähig zu sprechen. »Ich liebe dich. Aber stimmte ich dem Tod des Jungen zu, könnte ich nie wieder glücklich sein.«
Wegon schien zu zögern. Sein Blick schweifte aus dem Fenster, sein Antlitz war getrübt vor Sorge und Trauer. Mana folgte seinem Blick. Dort draußen lag das Fürstentum Sarwen, dessen stolzer Herrscher er war.
Schließlich räusperte er sich. »Da ich weder dich überzeugen noch dieses Kind als meinen Sohn annehmen kann, sei es, wie du es wünschst. Du bist nicht länger meine Frau, Mana. Morgen wirst du die Burg verlassen und niemals wieder betreten.« Er starrte weiter geradeaus, als scheute er es, sie anzusehen. »Du warst eine gute Ehefrau und Fürstin, deshalb werde ich meinen einstigen Schwur, für deinen Schutz zu sorgen, nicht brechen«, erklärte er. »Du musst das Land der Sarwen nicht verlassen, sondern kannst bei den Arbeitern am Silberbergwerk wohnen. Deinen Lebensunterhalt wirst du dir dort als Näherin verdienen.«
Erst jetzt wandte er ihr den Kopf zu. Mana erschrak über den Schmerz, der in seinen dunkelblauen Augen lag. Dann trat eine seltsame Leere in Wegons Blick und sie wusste, sie hatte ihn für immer verloren.
»Morgen früh verkünde ich dem Volk deine Untreue und Verbannung«, sagte er mit hohler Stimme. »Widersprechen du oder das Kind jemals dieser Darstellung, ist euer Tod besiegelt.« Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf die Hebamme. »Du begleitest Mana zur Grubensiedlung, wo du ihr ein Jahr dienen wirst. Solltest du irgendwem gegenüber ein Wort über die Ereignisse dieses Abends verlieren, ist dein Leben nichts mehr wert.« Er drehte sich um und verließ das Zimmer.
Die Tür fiel hinter Wegon ins Schloss und Mana schluchzte leise auf. Tränen flossen über ihre Wangen und tropften auf das Gesicht des kleinen Jungen, der friedlich an ihrer Brust eingeschlafen war.

Rabenfedern 3