Über das Schreiben, die Tücken des Autorenalltags und Lieblingsfiguren

Meine Kollegin Nikola Hotel hat mich eingeladen, 11 Fragen zum Schreiben zu beantworten, denen ich mich gerne stelle!

1. In welchem Moment deines Lebens ist dir klargeworden, dass du eine Geschichte schreiben willst/musst?

Zum Schreiben bin ich buchstäblich gekommen wie die Jungfrau zum Kind: durch meine Schwangerschaft. Während meiner Elternzeit hatte ich die Muße, all die Szenen und Ideen, die sich seit Jahren in mir angesammelt hatten, zu einer großen und komplexen Geschichte zusammenzubringen. Während ich den Kinderwagen schob, stillte oder das schreiende Baby durch die Wohnung trug, nahmen die Charaktere in meinem Kopf Gestalt an und erste Dialoge entstanden. Irgendwann – den Tag kann ich gar nicht mehr genau benennen –  tauchte der Gedanke auf: “Eigentlich müsstest du das aufschreiben” – und er blieb haften. Tja, und so nahm das Ganze seinen Anfang … (Wie es dann weiterging, findet ihr hier: Wie entsteht ein Roman?)

2. Wenn du im Schreibfluss bist, wie gehst du mit Störungen von außen um?

Tagsüber bleibt mir oft leider nichts anderes übrig, als das Schreiben zu unterbrechen, so schwer mir das in diesem Moment fallen mag. Ich liebe es daher, abends zu schreiben, wenn ich sicher sein kann, dass es um mich herum ruhig bleibt.

3. Du zerplatzt vor Glück aber auf deinem Tagesplan steht der Höhepunkt des Leidens deines Helden/ deiner Heldin. Wie bringst du dich in die richtige Stimmung oder verschiebst du die Szene auf einen anderen Tag und schreibst eine lustige Kurzgeschichte?

Damit hatte ich bis jetzt keine Probleme, zur Not hilft die Einstimmung mit passender Musik.

4. Wie oft bist du beim Schreiben eines Exposés schon verzweifelt?

Exposés sind eine Qual, leider eine notwendige (ebenso wie Klappentexte verfassen). Bei meinem ersten bin ich wirklich fast verzweifelt, inzwischen fällt es mir leichter – das nennt man dann wohl Übungseffekt. Wenn ich mich erst einmal überwunden habe, macht es mir dann meist doch Spaß, vor allem das Kürzen am Ende, bis nur noch die reine Storyline übrig ist.

5. Sind dir deine Protagonisten schon mal im Traum erschienen und haben dir vorgeworfen, du hättest sie völlig falsch dargestellt?

Ja, ich habe tatsächlich schon von meinem Helden und Heldinnen geträumt – und ich freue mich immer, wenn ich sie treffe. Vorwürfe habe ich noch keine bekommen, aber ich fand es ungeheuer spannend und inspirierend.

6. Wenn du die erste Idee zu einer Geschichte hast, lässt du dann alles andere liegen und hältst sie fest oder schreibst sie vielleicht sogar sofort? Oder schiebst du sie in eine Ecke deines Kopfes und wartest, bis dein aktuelles Projekt abgeschlossen ist?

Ich arbeite immer nur an einem Projekt. Trotzdem kommen mir dabei oft Ideen für neue Romane, und die brauchbaren notiere ich mir. Zu jedem meiner (potentiellen) Bücher führe ich ein eigenes Notizbuch, das griffbereit neben meinem Schreibtisch im Regal liegt. So kann ich schnell einen Einfall notieren, und mich dann beruhigt meinem aktuellen Manuskript zuwenden. Wenn ich dann einen neuen Roman beginne, freue ich mich, wenn schon erste Szenen existieren.

7. Wie gehst du mit Schreibblockaden um?

Das hängt davon ab, welche Ursache die Schreibblockade hat. Wenn ich in einer Szene nicht richtig weiterkomme, hilft mir am besten Bewegung: PC aus, spazieren gehen, Wohnung putzen o.Ä. und dabei das Problem durchdenken und die Ursache finden. Manchmal, wenn ich über Tage sehr viel geschrieben habe, habe ich quasi ein „Kreatief“. Dann muss der PC ebenfalls aus, und ich aufs Sofa – entweder mit einem Buch oder einem Film und Pause machen.

8. Was motiviert dich wieder, wenn die Geschichte hängt, der Plot nicht funktioniert oder du dich fragst „Was soll der ganze Quatsch eigentlich?“

Als Erstes einmal Abstand zwischen mich und die „Löschen“-Taste bringen … Meist hilft es mir, den Plot/die Szene mit jemand durchzusprechen, um wieder klarer zu sehen.

9. Nenne 3 Gründe, warum du das Schreiben niemals aufgeben würdest.

Bücher schreiben ist wie Bücher lesen, nur besser – es macht einfach zu viel Spaß, als dass ich damit aufhören könnte. Je mehr ich schreibe, desto mehr merke ich, wie ich „handwerklich“ besser werde, und dass ich noch so vieles ausprobieren will. Im Moment habe ich fünf Ideen für neue Bücher im Kopf – was soll ich denn mit denen machen, wenn ich sie nicht aufschreiben dürfte?

10. Nenne 3 Gründe, warum du es gedanklich schon zig Mal an den Nagel gehangen hast.

Schreiben ist Arbeit, und wie bei allen Jobs gibt es Bereiche, auf die man nicht so viel Lust hat. Bei mir ist es immer dann soweit, wenn ich mir das Buch das x-te Mal auf Fehler und Formulierungen laut vorlese, da ist der Spaß dann nicht mehr so groß. Aber so nah vor dem Ziel aufzugeben, wäre dann doch sehr ärgerlich.
Ansonsten bin ich äußerst ungeduldig, was das Veröffentlichen und die Bekanntheit meiner Bücher angeht – da war der berühmte Nagel manchmal schon zum Greifen nah 😉 Die alte Weisheit „Gut Ding braucht Weile“ ist inzwischen zu meinem Mantra geworden – und die netten Zuschriften meiner Leserinnen und Leser bestärken mich immer wieder, den Nagel einfach Nagel sein zu lassen und brav weiterzuschreiben.

11. Welchen deiner Protagonisten magst du am liebsten und welchen verabscheust du am meisten?

Generell mag ich alle meine Protagonisten – die guten wie die bösen –, da ich ja auch monatelang mit ihnen zusammenarbeite. Meine große Liebe gilt aber nach wie vor Ian aus der „Greystone Saga“, der mit schuld daran ist, dass ich überhaupt mit dem Schreiben angefangen habe. Er ist tapfer mit mir alle Wege gegangenen und hat mehr als einmal meine Hand gehalten, wenn ich ein bisschen Beistand gebraucht habe.

Lieben Dank an Nikola („Rabenblut Saga“ & „Fernsehköche küsst man nicht“) für ihre spannenden Fragen, die ich gerne an zwei Kollegen weitergeben möchte: André Milewski („Geheimakte Labrador“) und Klaus Kurt Löffler („Max & Micha – Jugendkrimis“). Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten!

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